“Wendepunkt” – Leitartikel und aktueller Marktkommentar der Schwyzer Kantonalbank

Leitartikel : Das Ende naht. Das Ende der Tiefzinsspirale, an deren Ursprung die Notenbanken mit ihrer (unkonventionellen) Geldpolitik sowie das verhaltene, inflationsfreie Wirtschaftswachstum stehen. Die Unsicherheiten bezüglich des weiteren Konjunktur- und Inflationsverlaufs werden vorerst weiter anhalten (wobei wir diesbezüglich moderat optimistisch sind)…..  

 

Thomas Heller, Leiter Research und Chief Investment Officer der SZKB


Hingegen scheinen die Notenbanken eine geistige Kehrtwende zu vollziehen. Auch wenn sie sich alle Optionen offen lassen, geben sie derzeit wenige Anhaltspunkte für weitere geldpolitische Lockerungsmassnahmen. EZB-Chef Mario Draghi liess nach der letzten EZB-Sitzung offen, ob und wie es mit dem Anleihenkaufprogramm (QE) nach März 2017 weitergeht, nachdem er in der Vergangenheit immer frühzeitig noch mehr QE angekündigt hatte. Und die Bank of Japan vermeldete, dass sie anstelle der erwarteten Zinssenkung oder der Ausweitung der Wertpapierkäufe “nur” die Kontrolle der Zinskurve anstrebe. Dagegen betonten die Notenbanker vermehrt, dass auch die Wirtschafts-/Fiskalpolitk ihren Beitrag zur Überwindung der Krise zu leisten habe und appellierten an die politisch Verantwortlichen, Reformen durchzuführen.

Dahinter steckt die Erkenntnis der Währungshüter, dass die unkonventionelle Geldpolitik der letzten Jahre an ihre Grenzen stösst. Zum einen, was die Praktikabilität betrifft (Stichwort “kaufbares Universum”). Zum anderen – und das ist entscheidender -, dass noch tiefere Zinsen keine zusätzlichen Impulse verleihen. Die Vermutung liegt nahe, dass die tiefen Zinsen womöglich mehr Schaden anrichten, als sie nützen. Insbesondere Banken und Versicherungen leiden unter der flachen Zinskurve, aber auch für die Vorsorgesysteme entpuppt sich das Zinsgefüge zunehmend als Belastung.

Bei der aktuellen Zurückhaltung könnte es sich also somit um mehr als einen Zwischenhalt handeln. Vielmehr könnte sie einen Wendepunkt markieren. Damit wir uns richtig verstehen: Die Geldpolitik bleibt global expansiv. Die Zinsen bleiben auf unbestimmte Zeit tief und es ist mit keinen markanten, abrupten geldpolitischen Bremsmanövern zu rechnen. Und passiert etwas Unvorhergesehenes, so werden die Notenbanken nicht zögern, in altes Fahrwasser zurückzukehren, in die “vertraute Welt” der unkonventionellen Geldpolitik. Die Bereitschaft dazu hat aber spürbar abgenommen.

Auf einen blick:

Konjunktur – Schwacher Aufwärtstrend

Beim Weltwirtschaftswachstum hält der Aufwärtstrend an, wenn auch in einem bescheidenen Rahmen. Im August fielen die Konjunkturdaten eher schwächer aus. Die ersten Septemberdaten lassen die Aussichten hingegen freundlicher erscheinen. Die US-Konjunktur ist zweigeteilt, China zeigt sich gefestigter, in Japan zeigt sich ein schmaler Silberstreifen am Horizont.
 
Aktien – Qual der Wahl   
Im September war es an den Aktienmärkten ruhig, abgesehen von vorübergehenden Ängsten vor höheren Zinsen und Sorgen um die Deutsche Bank. Für etwas Bewegung könnten die anstehenden Quartalsergebnisse und die US-Wahlen am 8. November sorgen.
 
Zinsen – BOJ auf neuen Pfaden
Die Bank of Japan (BoJ) richtet ihre Geldpolitik neu an der Zinskurve aus. Währenddessen hat die Fed die Zinsen im September nicht erhöht. Ein Zinsschritt im Dezember scheint immer wahrscheinlicher. In Europa dürfte vorerst alles beim Status Quo bleiben.
 
Rohstoffe – OPEC und US-Wahlen im Fokus  
Die OPEC hat am 28. September überraschend angekündigt, die Öl-Produktion zu reduzieren.
Der unmittelbare Effekt auf das Öl-Angebot ist trotz kurzfristigem Preisanstieg moderat, denn die Produktion wird von einem hohen Niveau aus gekürzt. Zudem ist noch offen, welches OPEC-Mitglied die Produktion wie stark reduzieren muss. Dies soll bis im November ausgehandelt werden.
 
Asset Allocation – Basisszenario unverändert  
Im August und teilweise September hat sich das Wachstum leicht abgeschwächt. Die zuletzt wieder positiveren Daten lassen jedoch eine leichte konjunkturelle Belebung zum Jahresende hin erwarten. Unser Basisszenario hat sich entsprechend nicht verändert. Wir halten deshalb an unserer neutralen Aktienpositionierung in den Portfolios fest. Staatsanleihen sind aufgrund der tiefen oder gar negativen Verfallsrendite und drohender Verluste bei steigenden Zinsen unattraktiv. Wir halten an der neutralen Immobilienquote fest. Das Übergewicht der Alternativen Anlagen geht zugunsten versicherungsbasierter Anlagen.

Quelle:  AdvisorWorld.ch